Ansicht von Mylau um 1900

Im Vordergrund der Industrie Mylaus stand die Verarbeitung der Wolle schon von altersher.

Im Jahre 1600 brachte der Geraer, Nikolaus Schmidt, die Kunst des Färbens in die Nachbarstadt Reichenbach.

Um diese Zeit wird wohl auch die Handweberei schon hierzulande in lebhafter Blüte gestanden haben, denn eine Urkunde von 1482 besagt, dass von Reichenbach "Gewanth" auf der alten Handelsstraße nach Hof "geführt" wurde.

Der Handwebstuhl hat bis in die 70er Jahre hinein die Mylauer Einwohnerschaft ernährt. An die Stelle des Handwebstuhles trat der mechanische Webstuhl. Den ersten mechanischen Webstuhl stellte Franz Moritz Merkel im Jahre 1863 im Hirschstein-Mylau auf.

Diesem Beispiel folgten dann die früheren Inhaber der Webereifirmen Hopf & Merkel und Moritz Merkel, damals zwei der bedeutendsten Webereien im Orte. Nach und nach entstanden neue Webereien, sodass Mylau 10 große Webereien hatte.

Die Firmen waren folgende: Hopf & Merkel, Moritz Merkel, F.M. Feller, Vogt & Helbig, Hugo Merkel, Rützer & Rüdinger, Gebrüder Seifert, Franz Neubert, Schilbach & Co. und Morand & Co.

Der Grund zur Mylauer Großindustrie ist durch die Napoleonische Kontinentalsperre gelegt worden. Als Anfang des 19. Jahrhunderts in Folge dieser Sperre eine Vermehrung der Baumwollspinnerei in Deutschland nötig war, entstand durch den Begründer der angesehenen Bankfirma Christian Gotthelf Brückner in dem alten Schloss eine Baumwollspinnerei.

Die Firma Brückner war es auch, die um 1836 die erste Dampfmaschine in Mylau - eine der ersten in Sachsen - aufstellte, und die somit auch bahnbrechend für die Einführung der Dampfkraft in Sachsen vorging.

Mit der Erbauung der Wollwäscherei und Kämmerei von Georgie & Co. erlangte Mylau in der Textilbranche seltene Bedeutung. Wie die Wolle dem Merino-Schaf entkleidet wurde, so gelang sie nach Mylau und durchlebte hier alle Prozesse der Reinigung, Sortierung und Veredelung bis zur Vollendung und Verwendung in der Spinnerei.

Da Mylau auch sonst alle in der Textilbranche notwenigen Fabrikationszweige, wie Spinnereien, Webereien, Färbereien, Warendruckereien und Appretur- und Blanchiranstalten besaß, hatte die Wolle vom rohen Naturprodukt an bis zur nadelfertigen Verwendung des Damenkleiderstoffes - der hier hauptsächlich fabriziert wurde - den ganzen Weg ihrer künstlichen Umarbeitung in den hiesigen Etablissements zurückzulegen.

Dies war damals ein in Sachsen, ja sogar in ganz Deutschland einzigartiges Vorkommen. Diesen günstigen, so selten zu findenden Umstand, nutzten daher alljährlich Schülerklassen technischer Hochschulen, um die Umarbeitung der Wolle hier anzusehen.

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